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Saalhauser Bote Nr. 24, 1/2009
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Der Presse entnommen

Der Zug nach Osten - Sauerländer zogen ins ungarische Banat von Benno Rameil

Das Lenner Kirchenbuch enthält im Jahre 1786 folgende Eintragung: Johannes Ledige aus Saalhausen und Anna Gertrud Severin wurden "copuliert”, mit dem Zusatz „profecti sunt in Hungarium", d. h., sie wanderten aus nach Ungarn. Denselben Auswanderervermerk findet man bei der Trauung des Johannes Vogt, genannt Schöttteler, aus Saalhausen mit Maria-Elisabeth Krieger aus Selkentrop und Godefriedus Grobbel aus Saalhausen mit Maria Gertrud Krieger aus Selkentrop, ebenfalls 1786. Nach mündlicher Überlieferung wanderten aus bestimmten Gründen zwei Brüder Wreden aus Saalhausen nach Ungarn, wahrscheinlich um dieselbe Zeit. Die Forschung über die sauerländischen Auswanderer nach Ungarn hat festgestellt, dass die österreichische Kaiserin Maria Theresia das nach dem Türkenkrieg menschenleere und wüste Land Südungarns mit deutschstämmigen Bauern besiedeln wollte als sicherstes Bollwerk gegen feindliche Eroberungsgelüste.

So kamen in jener Zeit zahlreiche österreichische Werber an den Rhein, nach Elsass-Lothringen und ins kurkölnische Sauerland. Sie lockten nachgeborene Bauernsöhne und verarmte Kleinbauern durch Ansiedlungspatente an und stellten ihnen freie Bauernhöfe in geschlossenen, durch Ingenieure planmäßig angelegten Dorfsiedlungen im fruchtbaren Ungarnland in Aussieht.

So zogen die Auswanderer mit ihrem Vieh und ihren Wagen voll Hausrat zwischen 1722 und 1726, 1765 bis 1772 und zwischen 1782 und 1786 in drei großen Wellen ans den sauerländischen Bergen in das weite ungarische Flachland an der mittleren Donau.

Wie groß der Strom der Auswanderer war, erkennt man an der Tatsache, dass mit dem zweiten Zuge 1765 fast vierhundert Familien fortzogen. An der Spitze der Auswanderer stand Oberhundem mit 32 Familien, Saalhausen 11, Lenne 9, Benolpe 10, Bilstein 18, Oberveischede 26, Kirchhundem 8, Fredeburg 6, Kirchveischede 4 Familien.

Im März 1765 zogen zwei Gruppen Auswanderer aus der Gegend von Oberhundem in Stärke von 23 und 40 Familien durch Wien. Der erste Trupp hatte Tschauad (Csaned) a. d. Marosch als Reiseziel, die zweite Gruppe wurde in Bileid und Bruckenau angesiedelt. Der westfälische Zuzug der .Kaiserin Maria-Theresia scheint restlos ins Banat, d. h., in das Flachland zwischen Donau, Theiß .und Marosch, mit der Stadt Temesvar als Mittelpunkt, gegangen zu sein.

In Tschanad gibt es noch heute ein „Sauerländer Eck". Dort spielt man bei Volksfesten einen alten „Sauerländer" Tanz und der Pfarrer dieses Ortes heißt Maus und ist ein Nachkomme des Auswanderers Mues (Mius) aus Lenne. Andere Namen von ungarischen Siedlern aus der sauerländischen Heimat sind Schöttler, Schmelter, Schulte, Gobbel, Ledige, Wrede und Dirnbach oder Durrenbach (Dörnbach aus Oberhundem).

In der neuen Heimat fand man nichts vor als nackte Siedlungshäuser und statt fruchtbarer Äcker und Wiesen gab es nur Sumpf und Moor, Ried und Morast. Einige Auswanderer waren so enttäuscht, dass sie den langen beschwerlichen Rückweg nicht scheuten und „halbnackt und elend" in die Heimat zurückkehrten. (Wiemers, Olper Heimatblätter, 14. Jahrgang). Die anderen Sauerländer aber legten mit zäher Bauerskraft Sumpf und Moor trocken und schufen aus Ried und Morast fruchtbare Felder und Wiesen. Oft gab es Enttäuschung und die Ansiedler haben wirtschaftliche Nöte kennengelernt und auch Kämpfe völkischer Art ausfechten müssen, aber sie haben sich durchgerungen und aus Wüsten die reiche ungarische Kornkammer gemacht.

Als sauerländische Soldaten während des Weltkriegs 1914/18 ins ungarische Banat kamen, da haben sie sich zu ihrer größten Verwunderung mit der Bevölkerung im Sauerländer Platt verständigen können, ohne freilich die Zusammenhänge zu ahnen.

Heute geht es den Banater Siedlern aus dem Sauerlande wirtschaftlich gut, aber um ihr Deutschtum haben sie in den vergangenen Jahrzehnten schwer kämpfen müssen. Trotzdem haben sie deutsche Art und Sitte treu bewahrt. Die Banater Deutschen singen z.B. am Dreikönigstage heute noch das sauerländische Dreikönigslied. An den Kartagen ziehen die Schuljungen mit Klappern durchs Dorf, ganz wie im Sauerland. Zum 1. Mai wird der Maibaum gesetzt. Vielfach gaben die Kolonisten den neugegründeten Ortschaften auch Namen aus der Heimat. So gibt es z. B. im Banat ein Freudental, Weißkirchen, Langenfeld, Mühlenbach und auch ein Saalhausen. Die letztgenannte Ortschaft ist wahrscheinlich von Auswanderern aus Saalhausen besiedelt worden. Vom deutschen Sinn der Banater zeugt die Inschrift im deutschen Haus Temesvar: „Kein Druck so hart, kein Leid so schwer, dass deutsche Treu nicht stärker wär!”


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