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Saalhauser Bote Nr. 27, 2/2010
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Eine Eisenbahn-Rundreise durch das Sauerland anno 1959

von Klaus Meschede

Wer hatte im Jahr 1959 schon ein Auto? Meine Eltern konnten sich dies jedenfalls bei dem väterlichen Verdienst eines Lokomotiv-Heizers im Bw Altenhundem nicht leisten.

Welche Chancen gab es da für eine Wochenendreise von Saalhausen zu den Verwandten nach Schliprüthen?

Hier trat nun die Eisenbahn in den Vordergrund, auch weil der 8jährige Sohn hierzu drängte, denn die Fahrt auf dem Motorrad (mit Seitenwagen) war für mich vollkommen uninteressant. Aufgrund der damals schon abzusehenden Stilllegung der Eisenbahnstrecke von Altenhundem nach Wenholthausen waren die Möglichkeiten allerdings sehr begrenzt. Letztendlich erschöpften sie sich in der samstäglichen Anreise nach Schliprüthen über Schmallenberg, Wenholthausen, Eslohe und Fehrenbracht sowie der sonntäglichen Rückfahrt über Fehrenbracht, Finnentrop und Altenhundem: eine wahre Sauerlandrundreise. Eine Rekonstruktion dieser Reise ist aufgrund vorliegender Fahrpläne heute noch möglich.

Bild 1: 86 507 (Bw Altenhundem) verlässt mit dem letzten Personenzug Altenhundem – Wenholthausen den Bahnhof von Saalhausen am 30. Mai 1964.
Bild 1: 86 507 (Bw Altenhundem) verlässt mit dem letzten Personenzug Altenhundem – Wenholthausen den Bahnhof von Saalhausen am 30. Mai 1964.

Die Eisenbahnfahrt startete am Bahnhof Saalhausen um 13.37 Uhr mit dem nur samstags verkehrende P 1767 von Altenhundem nach Wenholthausen (siehe auch Fahrplanauszug in Bild 1 auf der Folgeseite, Zuglok wahrscheinlich eine Baureihe 86 des Bw Altenhundem).

Bild 2: Fahrplanauszug Strecke 239p, Sommer 1959
Bild 2: Fahrplanauszug Strecke 239p, Sommer 1959

Davor gab es noch einen 15minütigen Fußmarsch von der Wohnung zum Bahnhof, denn die Erbauer der Eisenbahn hatten den Saalhauser Bahnhof weit ab der alten Wohnbebauung angelegt, auch ein Grund für die frühe Stilllegung des Personenverkehrs am 30. Mai 1964. Der letzte Zug verließ den Bahnhof Saalhausen wie in Bild 2 dargestellt. Welch eine herrliche Fahrt folgte nun von Saalhausen nach Fleckenberg, immer entlang der Straße mit maximal 30 km/h und damit langsamer als der Autoverkehr.

Bild 3: 74 435 mit P 1367 in Lenne 1937
Bild 3: 74 435 mit P 1367 in Lenne 1937

Die Idylle kann auch Bild 3 entnommen werden, welches einen ähnlichen Zug mit der Lok 74 435 in Lenne im Jahre 1937 zeigt. Ab Fleckenberg ging es dann auf eigenem Bahnkörper - aber auch nicht viel schneller - über Schmallenberg und Fredeburg nach Wenholthausen. Die Ankunft dort war am 14.54 Uhr, gerade rechtzeitig, um den Anschluss an einen Triebwagen nach Meschede zu gewährleisten (Bild 5).

Bild 4: Fahrplanauszug Strecke 239f, Sommer 1959
Bild 4: Fahrplanauszug Strecke 239f, Sommer 1959

Aber in Richtung des Zieles Fehrenbracht war erst einmal eine Pause angesagt. Sicherlich wurde von mir dort ein ausführlicher Rundgang unternommen, wobei auch der Wasserturm gebührend bewundert wurde (Bild 4).

Bild 5: Wasserturm im Bahnhof Wenholthausen
Bild 5: Wasserturm im Bahnhof Wenholthausen

Nach mehr als einer Stunde kam der Triebwagen (vermutlich ein VT 95 des Bw Dieringhausen, Einsatzstelle Finnentrop) aus Meschede zurück und so konnte die Weiterfahrt mit dem P 1418 um 16.09 Uhr beginnen (siehe auch Fahrplanauszug in Bild 5).

Bild 6: VT 90 500 (Gläserner Zug) der DB im Bahnhof Fehrenbracht
Bild 6: VT 90 500 (Gläserner Zug) der DB im Bahnhof Fehrenbracht

Über Eslohe und Kückelheim wurde Fehrenbracht um 16.28 Uhr erreicht (Situation ähnlich wie in Bild 6). Aber zum eigentlichen Ziel in Schliprüthen stand uns immer noch ein Fußmarsch von 30 Minuten bevor; dann war das Ziel nach über 3 Stunden Reisezeit endlich erreicht.

Schon ab Sonntagmittag fieberte ich der Rückreise entgegen. Davon konnte mich auch der steile Anstieg am Berg zwischen Schliprüthen und Fehrenbracht nicht abhalten. Beim Abstieg in Richtung Fehrenbracht konnte dann bereits der Triebwagen in Richtung Bestwig beobachtet werden, der unseren planmäßigen Zug in Kückelheim kreuzte. Dieser wiederum verließ Fehrenbracht als P 1420 um 19.31 Uhr und erreichte Finnentrop um 19.55 Uhr (siehe Fahrplanauszug in Bild 5, wahrscheinlich VT98 des Bw Bestwig).

Bild 7: Fahrplanauszug Strecke 239, Sommer 1959
Bild 7: Fahrplanauszug Strecke 239, Sommer 1959

Eine solche Reise war wohl nicht unbedingt in den Verkehrsflüssen des Jahres 1959 vorgesehen, denn erst nach fast einer Stunde Wartezeit ging es mit dem E 4566 um 20.41 Uhr weiter von Finnentrop nach Altenhundem, an 20.53 Uhr (siehe Fahrplanauszug in Bild 7, Zuglok möglicherweise Baureihe 23 des Bw Siegen). Dort bestand dann um 21.05 Uhr direkter Anschluss an den Bahnbus 3639 (damals noch mit Anhänger und Schaffner) nach Saalhausen, Kirche, dort ankommend um 21.24 Uhr (siehe Fahrplanauszug in Bild 1).

Ein herrliches Eisenbahnwochenende ging zu Ende. Hier habe ich schon in der Kindheit den Bazillus für meine weitere Eisenbahnleidenschaft aufgesaugt.

Mehrere solcher Ausflüge wurden so gemeinsam mit meinen Eltern unternommen bis 1961 die Anschaffung eines Autos (BMW Isetta 250) die schönen Eisenbahnreisen unterbrach.

Nun konnte der Weg von Saalhausen nach Schliprüthen in weniger als einer Stunde zurückgelegt werden. Aber war dies wirklich ein Fortschritt gegenüber einer Eisenbahnfahrt, die in dieser Form noch bis zum 30. Mai 1964 - dem Stilllegungstag von Altenhundem - Wenholthausen - möglich war?

Am 21. Mai 1966 wurde dann auch zwischen Wenholthausen und Finnentrop das Ende des Reisezugverkehrs eingeläutet.

Was würde ich heute dafür geben, diese Reise noch einmal unternehmen zu können! Aber leider sind die betroffenen Eisenbahnstrecken sämtlich stillgelegt und abgebaut. Eine Fahrradfahrt auf den u.a. dort angelegten Radwegen kann das Flair und die Idylle von damals niemals wiedergeben.

So verbleibt nur die imaginäre Rekonstruktion der Reise anhand antiquarischen Materials – und die Erinnerung.


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