Saalhauser Bote Nr. 17, 2/2005


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Kriegsdienstbefreiung A.D. 1814 „Musterliste an Stelle eines Passfotos“

- Von Alexander Rameil -




Wer sich heute einmal zufällig alte Fotos von Verwandten und Vorfahren ansieht, wird feststellen, dass immer weniger vorhanden ist, je älter die Abbildungen werden. Nicht mehr alle der heute lebenden Menschen wissen, wie ihre Urgroßeltern ausgesehen haben, sei es aus mangelndem Interesse oder weil einfach nichts mehr an Bildern vorhanden ist. Falls doch, dann vielleicht bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts. Die älteste Fotografie, die ich aus Saalhausen kenne, ist die des Musikvereins aus dem Jahre 1864. Natürlich gibt es Gemälde die um Jahrhunderte älter sind, jedoch meistens in Adelsfamilien. Wer wollte damals auch schon einfache Bauern, z.B. aus Saalhausen im Sauerland malen?

Sollte aber ein Pass, eine Personenbeschreibung vorhanden sein, ist das natürlich dann interessant, wenn dieser aus einer Zeit stammt, in der es noch keine Fotografie gab.

Zum Glück existieren aus damaliger Zeit noch zwei Kriegsdienstbefreiungsdokumente, einschließlich Musterliste über zwei Saalhauser.

Als das kurkölnische Westfalen zwischen 1806 und 1815 kurzzeitig zum Großherzogtum Hessen gehörte, sollten mindestens zwei Männer aus Saalhausen in die Hessische Landwehr eingezogen werden.

Einer von ihnen wurde am 08.05.1774 als ältester Sohn von Johann Rameil und der Hoferbin Anna Eva Müller, genannt Rötz, zu Saalhausen geboren. Der Wortlaut in der abgebildeten Musterungsurkunde lautet:

Auf geschehenes untertänigstes Nachsuchen, berichtet und bewandten Umständen nach wird hiermit verordnet, dass Johannes, ältester Sohn des verstorbenen Johannes Ramail genannt Roetz zu Saalhausen, Amts Bilstein, -“ -“-“-“ da er das Conscriptions-Alter überschritten hat, von der Ausnahme zum vaterländischen Kriegsdienste Kraft dieses befreit seyn solle.

Jedoch wird hierbei ausdrücklich bemerkt, daß derselbe durch gegenwärtige Dispensation und seine demnächstige Verheiratung, nach der Verordnung vom 7ten Januar bei der Landwehr nicht eximirt ist. Wornach sich zu achten. Urkundlich des hierunter gedruckten Ober-Kriegs-Collegial-Siegels.



Darmstadt den 25. Febr. 1814

Großherzogl. Hessisches Ober-Kriegs-Collegium daselbst.

(???)

Am linken Rand stehen folgende Angaben über ihn: Nr. O. K. C. 3645 Signalement des Dispensaten. Nr.68/57 der Musterliste.

Geburtsjahr 1774, Größe fünf Fuß fünf Zoll – Strich, (ca. 165 cm) Haare fuchsig, Stirn bedeckt, Augenbraunen fuchsig, Augen grau, Nase spitz, Mund gewöhnlich, Bart fuchsig, Kinn spitz, Gesicht oval, Gesichtsfarbe röthlich, Besondere Zeichen keine.

Eigenhändige Unterschrift des Signalisirten:



(fehlt)

Vorstehendes Signalement wird als richtig attestirt.

Bilstein den 19 ten Merz 1814
Großherzoglich Hessisches Amt hieselbst.

Freusbach. (?)



Von diesen Kriegsdienstbefreiungs-Urkunden soll es im ganzen Kreis Olpe bloß eine Hand voll geben! Zwei existieren in Saalhausen und befinden sich in Privatbesitz. Die andere beschreibt Caspar Schulte und ist in Besitz von Bernd Illigens. Entschieden habe ich mich aber für diese hier.





Johannes Rameil-Rötz war Bauer und Hoferbe auf dem Hof Rameil-Rötz. Er wurde vom Wehrdienst befreit, weil er das Einzugsalter überschritten hatte und am 19.08.1814 die Anna Maria Böhmer, genannt Nöcker, aus Brenschede, heiratet. Er starb am 01.01.1846 im Alter von 71 Jahren.

Zu seinen Abkömmlingen, die in Saalhausen und Gleierbrück leben, gehören nicht nur die Rameil mit den Namenszusätzen, Rötz, Emils, Schmitten, Lutzen und Flurschütz, sondern auch die Schütten an der Winterberger Straße, die Konzen, die Schwestern Gastreich, verheiratet mit einem Stubenrauch und die andere mit einem Schwung, auch Paul Schmidt, der Gründer der Fa. Tractotechnik war ein Ur-Urenkel dieses Johannes Rameil-Rötz. Auch Püttmanns in Saalhausen seien eben noch als Nachkommen seiner Schwester zu erwähnen, da das Püttmanns „Stammhaus“, an der Winterberger Str. auf einem Grundstück erbaut wurde, welches aus Rameil-Rötz Besitz stammt. Das geht aus einer Grundbesitzteilungsakte hervor, in der jede Menge Flurbezeichnungen aufgeführt werden, und die sich im Besitz von Hermann Rameil-Lutzen befindet.

Anmerkung:

Seit Jahren wollte ich dieses Dokument, was ich seit meiner Kindheit kenne, im Saalhauser Boten vorstellen.

Als wir 1995 in unser neues Haus zogen, ist die Kopie, die wir besaßen, verloren gegangen. Ich wusste aber, dass sich das Original ebenfalls im Besitz von Hermann Rameil-Lutzen befindet und dort eingerahmt an der Wand hängt.

Als 1998 der Saalhauser Bote erschien, kam ich auf den Gedanken das in die Zeitung zusetzen, doch mir fehlte die Kopie. Seit ein paar Jahren frage ich Rameil-Lutzen deswegen, denn sie wollen das Original aus verständlichen Gründen nicht aus dem Rahmen entfernen, weil er sonst zerstört würde. Fühlte mich beim Nachfragen auch nicht gerade wohl, denn mit ihnen will ich mich ganz bestimmt nicht verkrachen. Trotzdem entwickelte sich zwischen diesem Dokument und mir ein Verhältnis wie zwischen einem Bullterrier und einem unerreichbaren saftigen Braten.

Wie kam ich nun an eine Kopie!? Glücklicherweise besaß Hermanns Schwager, der Architekt Holger Beckmann in Köln eine Kopie, die er mir eingescannt hat und per E-Mail übertrug. Sein Vater, der Architekt Josef Beckmann, brachte sogar Kopien mit, als er nebenan bei Edgar zum Kaffe war. Danke ihnen noch mal an dieser Stelle.

Schönen Gruß an meinen Bekanntenkreis und alle Leserinnen und Leser, frohe Feiertage und ein gesundes neues Jahr.


Der SAALHAUSER BOTE ist auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Wir bedanken uns an dieser Stelle für Spenden, die wir von Saalhausern erhielten, besonders unsere Postempfänger spenden immer wieder. Auch Ihre Spende ist uns herzlich willkommen. Wir arbeiten ehrenamtlich und gemeinnützig. Auf Wunsch stellen wir Ihnen eine Spendenquittung aus.

Wir begrüßen den den neuen Inhaber der Lenne Apotheke, Herrn Martin Sternberg und den Ansprechpartner vor Ort, Herrn Sebastian Vollmer als Sponsor dieser Ausgabe. Gleichzeitig bedanken wir uns bei Herrn Peter Völlmicke für das Sponsern einer früheren Ausgabe des Boten. Ein weiterer Sponsor dieser Ausgabe ist das Hotel Rameil-Flurschütz.


Mit Unterstützung der hier erwähnten Firmen und Personen konnte diese Ausgabe realisiert werden.






Das diesjährige Erntedankbild stand unter dem Weltjugendtagsthema: „Wir sind gekommen um ihn anzubeten.“


Angefertigt hat es Frau Claudia Mönnig in vielen Stunden.




Grüggeln 2005. Wir sehen: David und Lukas (Fam. Peter Hessmann) und Marvin und Thorben (Fam. Paul Rameil)



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